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Kein Interesse an Gamification? Meine Antwort…

cio_4c_logo_tagDieser Post ist gleichzeitig ein Kommentar, den ich zu einem Artikel, erschienen im online Magazin CIO, geschrieben habe. Den Link zum Originalartikel finden Sie hier.

Leider gelingt es mir bisher nicht, diesen Kommentar unter dem Artikel zu posten. Die Captcha-Eingabe lässt mich nicht durch.

Hier also meine Antwort auf den Artikel. Was denkt Ihr? Würdet Ihr die Umfrage nun anders beantworten, nach meinem Kommentar?

Freut mich wieder einmal einen der eher selteneren Artikel über Gamification, auf deutsch, zu lesen.
Ihre Umfrage zeigt leider deutlich auf, dass das Thema Gamification hier in Deutschland falsch verstanden wird. Dies mag natürlich auch an dem Begriff liegen ;-).

Besonders die Antworten “das Spielerische lenke von der eigentlichen Arbeit ab” und “der Nutzen sei begrenzt, man erreiche nur junge Mitarbeiter” wurmen mich doch sehr.

Gamification ist die Anwendung von Game-design-thinking auf Bereiche ohne eine Spielkontext. Game-design-thinking bedeutet, dass wir herausfinden warum Spiele überhaupt so erfolgreich sind und diese Erkenntnisse wenden wir dann innerhalb von Arbeits- oder auch Alltagsprozessen an. Wir bauen kein Spiel im eigentlichen Sinne. Das heißt, Sie setzen sich nicht an Ihren Schreibtisch und sagen: “Ich spiel jetzt mal ne Runde mit der gamifizierten Software.”

Und das wichtigste: Prozesse, die gamifiziert werden, ändern dadurch nicht ihre eigentliche Bestimmung. Das vorherige Ziel, das der Prozess/die Aktivität erreichen soll, bleibt nach wie vor bestehen. Mit gewissen Mechanismen, die sich vereinfacht als ‘verbessertes (Echtzeit)Feedback’, Kommunikation & Kooperation, persönliche Lernkurve (Mastering) und einem Zweck (Meaning) beschreiben lassen, passen wir bestehende Prozesse so an, dass sie dem Menschen intuitiver entgegenkommen.

Das klassische Spielen ist im eigentlichen Sinne DAS effektivste Lernwerkzeug der Evolution. Und daher ist es uns auch von Natur aus in unsere DNA ‘geschrieben’ worden.

http://dejarue.net -Fang mich doch-

Wir reden hier nicht von Computerspielen. Wir reden hier vor allem von den klassischen Spielen wie Räuber & Gendarme, Verstecken, Sport, Seilspringen auf dem Pausenhof, Baumklettern als Kinder, usw.
Auch diese Spiele haben Elemente, die sich immer wieder finden lassen:
Eine Herausforderung, die es zu meistern gilt (Mission). Es klappt am Anfang nicht, aber man weiß was zu tun ist (Ziel), um besser zu werden und in welchem Rahmen man das darf (Regeln). Wir messen uns mit anderen (Sozial, Wettkampf) und spielen in Teams (Sozial, Kollaboration). Wir haben nicht immer alle Mittel zur Verfügung um es zu schaffen (Ressourcenknappheit) und manchmal ändern sich die Rahmenbedingungen plötzlich und man muss darauf reagieren (Kreativität, lösungsorientiertes Handeln).

http://www.gesundheit-berlin.de -toben auf dem Schulhof-

Welches Unternehmen möchte diese Eigenschaften nicht stärken, bzw. welches Unternehmen hat nicht mit genau diesen Rahmenbedingungen zu kämpfen?

Ich behaupte daher, dass Gamification nicht von der Arbeit ablenkt, sondern im Gegenteil, uns Menschen noch zielorientierter handeln lässt. Und dies auf eine Art und Weise die uns Spaß macht. Der Gedanke, der hier aufkommt ist doch: “Eher, als das Spiele uns ablenken, da sie anscheinend ja interessanter sind als die eigentliche Tätigkeit (denn sonst würden wir uns ja nicht ablenken lassen), kann es da nicht sein, dass unsere aktuellen Prozesse einfach nur nicht mehr zeitgemäß bzw. schlecht konzipiert sind?
Die Wissenschaft um die Bereiche Psychologie und Neuroscience herum haben dies längst bestätigt und finden regelmäßig weitere Indizien hierfür. Dies wird jedoch nach wie vor von der Wirtschaft ignoriert. Es passt halt ‘leider’ auch selten in die bereits vorhandenen Strukturen!

Und zur zweiten Antwort: “der Nutzen sei begrenzt, man erreiche nur junge Mitarbeiter”….

Haben Sie nie gespielt? Ja Sie, ca. 40 oder älter? (Oder was immer bei Ihnen nicht mehr unter die Kategorie “jung” fällt 😉 )

Heutzutage denken beim Wort ‘spielen’ immer alle gleich an Online-, bzw. Videospiele. NEIN…wir reden hier auch von klassischen Brettspielen, Kartenspielen, Sport, den kleinen Machtspielchen im Büro oder auf dem Schulhof. Puzzle, Rätsel, Basteln, usw. Dies alles sind Spiele, die wir alle spielen. Sei es mit den Kindern abends am Esstisch, sei es mit der langjährigen Skatrunde jeden Mittwochabend, oder sei es beim Vereinssport am Wochenende und den darauffolgenden Gesprächen im Vereinsheim.
Der Punkt ist nur, dass Sie seltener Gelegenheit haben als die “jungen” Leute.

Aber keine Sorge. Sobald Sie im Rentenalter sind, nehmen die Skattreffen wieder zu und die Pokerrunde findet nun zweimal pro Woche statt, oder so ähnlich. Sie werden wandern gehen und sich selbst herausfordern, (Challenge) jeden Berg in Ihrer Umgebung zu erklimmen. Sie setzen sich das Ziel, sie kennen die Regeln, sie erhalten jederzeit das Feedback in Echtzeit ob Sie gut unterwegs sind (oder auch nicht) und evtl. wandern Sie auch gerne in einer Gruppe (Sozial). Auch hier finden sich wieder klassische Spielelemente.

by Roman Rackwitz 2012, 'der Spielezyklus'

by Roman Rackwitz 2012, ‘der Spielezyklus’

Und richtig, diese wurden NICHT von der Spielindustrie erfunden, aber sie haben es über die Jahrhunderte geschafft, diese gekonnt einzusetzen und zu perfektionieren.

Es liegt einfach auf der Hand von diesen zu lernen, um auch die Aktivitäten damit zu bereichern, mit denen wir eh über die Hälfte unserer Zeit verbringen. Wer bitte hat jemals gesagt, dass Arbeit und Spaß nicht zusammen passen dürfen.
Wow…was glauben Sie was sich ändern würde wenn es uns gelingt, alltägliche Prozesse nur ca. 10% in Richtung spielerisches Engagement für uns Menschen zu bewegen? Ein Versuch ist es doch wert, oder?

Freue mich auf Euer Feedback.

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2 thoughts on “Kein Interesse an Gamification? Meine Antwort…

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